Dienstag, 17. Juni 2014

Daheim

....wir sind wieder in Berlin!
Von Beelitz, wo der Spargel wächst, bis nach Berlin ist es nur noch ein "Katzensprung" gewesen. Wir nahmen natürlich die B 2. Die 2 kg Spargel im Gepäck machten sich am Schäferberg kaum bemerkbar und Lena fragte, ob der Berg in der Zwischenzeit abgetragen worden sei. Nach fast sechs Wochen ist man eben gut trainiert.

Zu Hause wurden wir mit "Großem Bahnhof" empfangen. Freunde, Nachbarn und natürlich Sabine empfingen uns. Der Jubel beim Sieg der deutschen Fußballmannschaft nach ihrem ersten Spiel war Nichts dagegen.

Nun heißt es Räder warten, Wäsche waschen... wieder einleben. Die vielen Erlebnisse brauchen Zeit, damit sie sich in unser Leben einordnen können.

Es war eine schöne Reise. Uns ist nichts passiert, die Räder TX 400 von der Fahrradmanufaktur hielten wunderbar durch, meinen Rohloffnabe ist nach wie vor eine überaus praktische Schaltung. 

Wir danken allen, die uns unterstützten in dem sie unsere Berichte lasen und uns per email Nachrichten schickten. Ganz besonders danken wir Sabine. Sie hatte immer Vertrauen darin, dass wir die Reise schaffen würden - und sie hat uns die Möglichkeit gegeben zu radeln.

Am letzten Tag radelten wir rd. 45 km.

Insgesamt haben wir 1933 km in 38 Tagen zurückgelegt.

Wer nähere Informationen zur Reiseroute etc. haben möchte, kann uns gerne schreiben.




Sonntag, 15. Juni 2014

Gleich daheim

Westlich neben Löbnitz liegen drei große Seen. Es sind geflutete Tagebaugruben. Der Muldestausee ist einer davon. Wir fahren zwischen ihm und dem Großen Goitzsche See Richtung Gräfenhainisch. Paul Gerhard wurde dort geboren. Ansonsten lebte die Stadt seit der Industrialisierung von der Druckerei und dem Braunkohletagebau. Davon zeugen interessante Wohnsiedlungen.
Auf dem Weg dorthin wählte ich einen verschlungenen Radweg, der sich durch dichten Wald schlängelte. Hübsch zu fahren, leider nicht so schnell.
Ab Gräfenhainich geht es auf dem Europaradweg 3 weiter. Wir befahren ihn bis Wittenberg. Ein gemütlich zu fahrender Radweg mit unterschiedlichen Belägen.
Wittenberg empfängt uns mit „Luthers Hochzeit.“ Viel Volk in alter Tracht ist unterwegs – ein Mittelalterfest. „Himmel und Menschen“ sind unterwegs. Mit unseren Rädern kommen wir kaum schiebend durch die Menge. Unser Zeitplan lässt kein langes Verweilen zu und so geht die Fahrt nach einem Kaffee weiter.

Lenas Vorschlag folgend nutzen wir wieder die B 2. Sie lässt sich erstaunlich gut fahren. Über weite Teile begleitet sie ein Radweg. Weite Spargelfelder kündigen rechtzeitig unser Tagesziel Beelitz an. Auch hier haben wir Glück, schnell finden wir eine Pension.
Heutige Tagesstrecke 109 km, Fahrtzeit 6:56 Std., durchschnittliche Geschwindigkeit 15,5 km/h.

Morgen ist unser letzter Tag!

Dem Ende entgegen…

 Wir verlassen Zeitz in Richtung Norden und sind bald wieder auf dem „Elster-Radweg.“ Er bewegt sich durch die Flussniederung. Schäden vom Hochwasser 2013 sind nur noch sporadisch zu sehen. An einigen Stellen sind Deichteile und damit auch Stellen des Radweges erneuert worden. Der Belag wechselt von Wassergebundener Decke, zu glattem Asphalt hin zu sehr schottrigem Feldweg. Die schöne Natur gleicht aber alles aus.
Der Winterweizen ist schon sehr weit. Er hat fast sein Grün verloren und duftet nach frischem Stroh. An einer Stelle wird der Weg aus unerfindlichen Gründen zum „Feldpfad.“ Zu guter Letzt schlängelt er sich durch ein Rapsfeld. Der Fluss hat ein Stück des Weges mit sich gerissen. Erst am Ende des Pfades steht eine Bake, die den Weg sperrt. Leider fehlte der Hinweis auf die notwendige Umfahrung.
Vor Leipzig, bei Zwenkau, führt der Weg am ehemaligen Braunkohletagebau vorbei. Die Grube ist in Flutung und soll einmal ein schöner See werden. Der nördlich dahinter liegenden Cospudener See zeigt ganz schön, wie es werden könnte.
In Leipzig verweilen wir vor dem Alten Rathaus. Auf dem Platz findet ein Bach-Fest statt. Moderne Musik wird mit Bach verbunden. Nach Leipzig befahren wir den Berlin-Leipzig-Radweg bis Schönwölkau. Auf ruhigen Nebenstraßen radeln wir zwischen Kirschbäumen dahin. Der aufdringliche Duft der Rapsfelder begleitet uns dabei. Das Wetter weiß nicht so recht was es will, bleibt aber überwiegend trocken.
In Schönwölkau biegen wir in Richtung Löbnitz ab. Dort finden wir eine Pension, in der wir freundlich aufgenommen werden. Bei Bier und Cola verspeisen wir unser Picknick, schauen noch ein wenig WM und fallen müde ins Bett.


Ges. Km 7843Km Wir fuhren 90,11 km in 5,52 Std., die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 15,3 km/h. Ganz schön.

Freitag, 13. Juni 2014

Es geht voran…

Die Nacht endete recht früh. Ab fünf Uhr weckte uns Fahrzeuglärm. Es schien, als würden die Autos direkt durch unser Bett brausen. Das brachte uns früher als mit dem Wirt abgestimmt an den Frühstückstisch. Er schaffte trotzdem ein ordentliches Frühstück auf den Tisch. Gut gestärkt konnten wir unsere Tagesetappe starten.

Die B 2 Richtung Berlin verlief gleich hinter dem Hotel und begann mit einer kurzen aber kräftigen Steigung. Bis Braunsdorf bei Triptis folgten wir ihr. Weil sie einige Kilometer weiter für Radfahrer/innen gesperrt ist, bogen wir in eine Nebenstraße ab. Gemütlich nebeneinander herfahrend erreichten wir bei Großebersdorf wieder die „wunderschöne“ B 2. Es ging heut merklich sanfter zu. Unser Streckenschnitt lag deutlich bei 15 km/h. Vielleicht lag es ja auch der Thüringer Rostbratwurst, die wir an einem Imbiss aßen. Gegen Mittag erreichten wir Gera. In der Mitte der Stadt gibt es sog. Einkaufsarkaden. Nach meinem Eindruck unterscheiden sie sich lediglich durch Aufteilung und Winkel der Geschäftsgassen, von anderen Einkaufszentren in anderen ehemaligen DDR Städten. Handyläden, Apotheke, Märkte und natürlich ein Selbstbedienungsbäcker – Café. Wir verweilten in Mitten der Einheimischen unter den Schirmen des Cafès. Unsere Unterhaltung drehte sich um die Soziologie der Arbeitslosigkeit und der Bedeutung einer Aufgabe im Leben.

Schöner ging es auf dem Elster Radweg weiter. Es ist eine Weingegend (Saale-Unstrut) und manchen Ort ziert ein beträchtlicher Weinberg. In Zeitz war unser Ziel erreicht. Wir nächtigen gleich neben dem Lutherhaus und ein kleines Stück weiter wohnte einst die Gattin des Herrn Bach. Ansonsten zeichnet die Stadt eine riesige „Süd-Zuckerfabrik“ aus. Der Betrieb hat wohl dazu beigetragen, dass wenigsten einige Häuser aufgehübscht sind und die „Sparkasse“ sich mit einem großen Zentrum präsentieren kann.



Unsere Tagesstrecke betrug 78,5 km, die wir in 4:48 Stunden „abradelten.“ Insgesamt waren wir 6:20 Std. unterwegs. Wir hatten gutes Wetter obwohl uns der Wind teilweise heftig ins Gesicht blies.

Ostthüringen ist nicht flach

Von Zell aus wollten wir an der sächsischen Saale entlang nach Schleitz radeln. Irgendwie verpassten wir wieder einmal einen Abzweig (oder die Karte ist schlecht) und landeten in Münchberg. Der Umweg brachte uns zusätzliche 6 km ein. Ab Schwarzenbach an der Saale fanden wir den Radweg wieder und erreichten auf ordentlichem Radweg Hof.



Die Betrachtung der Altstadt von Hof verlief gemütlich. Die Fußgängerzone erinnert an Bekanntes. In einem Café beratschlagten wir über die weitere Route. Auf der Karte fiel uns die B 2 ins Auge. Sie führt fast direkt nach Berlin. Nach kleinen Plaudereien mit Einheimischen, die sich als Kenner der Radwege herausstellten, beschlossen wir, unseren Weg nach Schleitz auf der B 2 fortzusetzen. Der Saaleradweg wird als überwiegend hügelig beschrieben, mit vielen „Raufs und Runters,“ landschaftlich jedoch sehr schön. Für Lena war klar: B 2! Da gab es kein Zurück. Die letzten 28 km überholten uns regelmäßig Autos und Lastwagen (welche die Maut umgehen wollten!?). Die Steigungen sind auf den Bundesstraßen langgestreckt und manchmal nicht ohne. Oft wird der 1. Gang bemüht. Bei gleichmäßigem Tritt schafft man so ca. 5-6,5 km/h. Wichtig ist dabei, die sog. Mitte zu halten. Gleichmäßige Atmung und ein rhythmischer Tritt helfen, sich vom Winddruck vorbeirauschender LKW’s nicht aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Schön, wenn auch nicht unbedingt entspannend sind die Abfahrten. Mit 53 „Sachen“ in die Kurve, hinter uns brummt der nächste LKW. Solche Talfahrten haben unseren Schnitt immer wieder ein wenig verbessert. Überhaupt, je mehr wir in Richtung Schleitz kamen, um so höher wurde das Durchschnittstempo. Es wird ganz langsamer flacher.
Schleitz erscheint als eine kleine etwas grau wirkende Stadt. Die Verkäuferin im Sportgeschäft half uns ausgesprochen herzlich, eine Übernachtung zu finden. Im Hotel „Zu den drei Schwänen“ fanden wir dank ihrer Hilfe ein Bett. Das Hotel mit Gaststätte wirkt wie aus einer anderen Zeit. Die Gaststube mit dem Kachelofen und der Holzvertäfelung wirkt wunderbar altmodisch. Das „Schlafzimmer“ erinnert mit seinem DDR Mobiliar an Vergangenes. Das Bad ist auf neuem Stand und eine heiße Dusche entschädigt für ganz viel.
Tagesstrecke 65,82 km, Fahrzeit 4:34, Gesamtzeit 7:36 (die Differenz war Pause) unser Schnitt betrug 8,6 km/h.

Ganz ordentlich aßen wir im Café Riedel. Die Bedienung erklärte uns, dass wir im zeitältesten Café Deutschlands eine Rinderroulade, mit Rotkraut und Knödel serviert bekommen hatten. 

Das Fichtelgebirge ist „höher“ als die Alpen

Endlich wieder eine Internetverbindung...

Im Hotel-Garni-Rosenhof bei Pegnitz gab es abends noch eine Riesencurrywurst mit Pommes. Die Wirtin hatte ein Nachsehen mit uns und brachte uns diese Berliner Spezialität auf den Tisch. Verbunden mit dem ordentlichen Frühstück konnten wir den Radweg entlang des Roten Main antreten. Neuer Asphalt lässt sich wunderbar fahren, selbst wenn es immer ein wenig bergauf geht. Über Creussen gelangten wir so nach Bayreuth. Auf dem weiten Marktplatz fand Lena die gesuchte Drogerie und ich ein nettes Café. Bayreuth ist von Industrie und Mittelstand umzingelt. Da Berlin inzwischen eine hohe Anziehungskraft hat, legen wir auf Stadtbesichtigungen keinen gesteigerten Wert.

Wir suchten die Ausfahrt Richtung Bad Berneck, die uns auf die Bundesstraße 2 brachte. Ihr folgten wir stetig bergauf. Zum Glück gibt es einen 1. Gang. Mit ihm kurbelten wir uns stetig bergauf. Diese Tendenz verließ uns bis zum Abend nicht mehr.
Ab Bad Berneck folgten wir dem Weißen Main. Ein wunderschöner asphaltierter Radweg begleitet ihn. Der Weiße Main springt seinen Weg vergnüglich hinab, der Radweg zieht gemächlich der Quelle entgegen. Die Geschwindigkeit pegelte sich zwischen 7 und 9 km/h ein. So blieb viel Zeit, dem Fluss zu zuschauen. Erstaunlich war ein Schneerest, der im dunklen Tann gegen die Hitze ankämpfte.

Vor Bischofsgrün zweigt der Saaleradweg Richtung Norden ab. Zwölf Prozent Steigung waren hier zu bewältigen. Wir schoben emsig 15 Minuten den Berg hoch. In der Sauna schwitze ich nicht weniger. Nach der Karte war der höchste Punkt bei ca.720 m erreicht. Von da an ging es nach Gefrees hurtig bergab, die Spitzengeschwindigkeit war bei 51,45 km/h erreicht, was besonders Lena große Freude bereitete. „Denn ein Gefälle von 12% herunter zu brettern ist einfach das wahre!“ (Zitat Lena)
Das Fichtelgebirge ist eine Urlaubsgegend meiner Großmutter. Sie erzählte bereits Anfang der 50‘ Jahre von ihren schönen Reisen. Auch mir gefällt die weite eher hügelige Landschaft. Weite Felder und Wiesen erfreuen das Auge mit ihrem frühsommerlichen Grün. Fichtenwälder dehnen sich bis zum Horizont aus. Zwischendurch drohte von ferne ein Gewitter. Wir legten eine Pause ein und ließen es links liegen. Ein paar dicke Tropfen schickte es uns aber doch noch vorbei.

Nun sitzen wir nach 67,8 Kilometern, einer Fahrzeit von 4:58 Stunden und einer Gesamtzeit von 6:24 im Biergartenn vom „Roten Ross.“ Leider kamen wir nur auf einen Schnitt von 10,6 km/Stunde, angesichts der Berge aber doch ganz gut.

Dienstag, 10. Juni 2014

Wer die Steigung liebt, der schiebt

 Ein wunderschöner Sommertag erwartete uns am Morgen. Lena war bereit, um sieben Uhr aufzustehen. Wir konnten gegen acht Uhr starten. Die Sonne stach schon heftig auf die Erde runter.
 Der Pegnitz – Laber – Radweg lud uns zu Weiterfahrt ein. Wir folgten ihm bis Hersbruck. Wir dückten uns in jeden Schatten aber selbst dort war die Temperatur zur Höchstform aufgelaufen. Ein Thermometer an einer Hauswand zeigte 34 °. In Hersbruck verschnauften wir bei Kaffee und Kuchen. –von dort erreichten wir den Pegnitztalradweg. Er versprach kühlen Schatten. Leider erwies sich die Ankündigung als unzutreffend. Viele Streckenteile lagen in der Sonne und wechselten mit kräftigen Steigungen ab. Der Radweg selbst ist verläuft neben der Pegnitz. Libellen schrauben sich an Flusslauf entlang. Besonders auffällig waren die Blauen.
Manchmal schlängelt sich die Pegnitz durch Engstellen. Kleine Felswände recken sich empor. An weiten Stellen fließt sie langsam und wir konnten Fische im Wasser entdecken. Irgendwann im Norden, fuhren wir auf dem Pegnitzradweg weiter. Er führt bis nach Pegnitz, unserem heutigen Etappenziel. Der Weg führt überwiegend durch ein Waldgebiet. Stellenweise hat die Pegnitz ein Auengebiet geschaffen. Erlen stehen im trüben Wasser. Es ist immer noch so heiß, dass sich nur dicke Fliegen und Pferdebremsen um uns scharren, wenn wir halten. Auch hier bereiten uns heftige Steigungen auf dem Schotterweg Anstrengungen. Letztlich haben wir alles gut durchgeschwitzt geschafft. In Pegnitz war der Gasthof ausgebucht und so mussten wir noch bis Rosenhof radeln.


In 5:22 Std. schafften wir 81,3 km, wobei die höchste Geschwindigkeit 53,4 km/h betrug. 

Montag, 9. Juni 2014

Von Kinding nach Berg bei Neumarkt

Seit Freitag meint es der Sommer gut mit uns. Die Sonne heizt das Altmühltal auf gute 34 Grad auf. Von Tag zu Tag gelingt es der Nacht weniger Wärme gegen Kühle einzutauschen. Die meisten der Gäste fahren gegen Mittag nach Hause und so frühstücken wir gemeinsam lange und ausgiebig. Leider radeln wir dann auch in der brütenden Mittagshitze los.

Der Altmühltalradweg ist familienfreundlich und so geht es trotz Hitze voran. In Beilngries verlassen wir die Altmühl und wenden uns in Richtung Norden. Hier verlaufen am Main-Donau-Kanal diverse Radwege. Z.B. der 5 Flüsse-Radweg oder der „Ludwig-Donau—Kanal-Radweg.“ Die Landschaft besticht durch ihr Grün der Felder und Wälder. Klatschmohn ziert auch hier die Raine und macht sich besonders schön, wenn er sich in ein Lupinenfeld gemischt hat. An einem Baggersee, an dem sich die Einheimischen tummeln rasten wir. Die Abkühlung ist nur von kurzer Dauer. Wir schaffen es bis Berg b. Neumarkt (i. d. Opf.). In Neumarkt fuhren wir an der „Neumarkter Lammsbräu“ Brauerei vorbei, die Fabrik, die meine Biobier herstellt.

Geburtstag im Altmühltal

Ein paar Ruhetage im Kreise guter Freunde und der Familie tun nach fast fünf Wochen gut. Wir kennen uns schon lange und so kann munter geplaudert und gescherzt werden. Im Gasthaus „Krebs“ sind wir noch vom letzten Jahr bekannt, wir probten damals bereits Peters Geburtstag.

Neben der wichtigsten Teil, der „70 Jahr Feier, schliefen wir aus, gingen im nahen See baden und radelten ein wenig in der Gegend herum. Des Freundes 70’ter wurde im schönen Rahmen gefeiert. Es ist immer wieder schön zu spüren, dass wir gute Freunde haben.

Samstag, 7. Juni 2014

Des Einen Freud des Anderen Leid

Der „Posthalter“ bescherte und ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Die Grundlage für den heutigen Tag war damit optimal gelegt. Wir sind jetzt schon vier Wochen unterwegs und haben rd. 1300 km zurückgelegt. Pfingsten steht vor der Tür. Das Fest ist mit einer Geburtstagsfeier von Peter, einem meiner besten Freunde, verbunden. In Kinding wird gefeiert und die Familie trifft sich dort. Wir legen eine Pause bis zum Montag ein, das ist nicht nur für Lenas Wadenverhärtung gut, auch mir tut ein wenig Abwechslung gut.

Vielleicht helfen auch die selbstgepflückten Erdbeeren, die wir auf einem Feld gegen Bezahlung mit viel Spaß ernteten.
Der Radweg führt uns bei heißem Sommerwetter über Ingolstadt ins Altmühltal. In Ingolstadt fehlte wieder einmal ein Radwegweiser und so landeten wir am Audi-Werk. Beim Pförtner erkundigte ich mich, ob die Möglichkeit bestehe, mein Rad gegen einen Audi A 4 einzutauschen. Leider verstand er nicht so viel Spaß, konnte aber den richtigen Hinweis für unsere Weiterfahrt geben.
Je näher wir dem Ziel kamen, um so mehr nahm die Freude am Radeln bei Lena ab. Als wir bei Arnsberg zur Altmühl hinunter rollten, hatte sie ganz schön die „Schnauze voll.“ Als wir nach dem Duschen in gemütlicher Runde mit Peter, Helga, Felix und den ersten Geburtstagsgästen saßen, besserte sich die Stimmung wieder.

Durch einen kleinen Umweg kamen wir auf 52 km, die wir in unterschiedlicher „Seelenlage“ gefahren sind.

Wir wünschen allen ein frohes Pfingstfest und hoffen, das wir die restliche Strecke ab Montag gut zurücklegen werden.

Freitag, 6. Juni 2014

Wieder 'mal in Pfaffenhofen




Dachau wirkt nicht so, als müsste es wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit ein schlechtes Gewissen haben. Ein ordentliches Altstädtchen mit frisch gemachten Häusern dominiert das Zentrum. Die jungen Frauen in der gemütlich renovierten Gaststätte am Marktplatz wirkten aufgeräumt und ganz in der Zeit. Wir aßen bodenständig: Leni ihr viertes „Wiener Schnitzel“ und ich „Matjes nach Hausfrauenart.“ Kann man da etwas falsch machen?
Das Jugendgästehaus des DJH-Werkes verschloss sich nicht der Erinnerung und des Gedenkens. Ein Plakat verwies auf einen ehemaligen Häftling, der nach seiner Befreiung in Dachau heimisch geworden war. Leni und ich waren ratlos, wie man zu einer solchen Entscheidung kommen kann.
Aus Dachau raus ging es an der Amper entlang. Einem Flüsschen, welches wir kaum vom Namen her kannten. Wir mussten es aber bald verlassen. Durch Feld, Wald und Wiesen führte uns der Radwegüber Röhrmoos, Petershausen wieder einmal nach Pfaffenhofen. Dieses Mal lag der Ort an der Ilm. Der Ort beherbergt einen schönen Marktplatz. Aus welchem Programm sind wohl die neuen Pflasterarbeiten, Fahrradständer und Bänke bezahlt worden? Jedenfalls versucht die Erneuerung etwas internationalen Charme in den Ort zu bringen. Die Torte im „Marktcafé“ war jedenfalls von guter Qualität. Günstig lag auch die Apotheke daneben. Wir konnten ein Tape für Lenas Wade kaufen. Es wurde gleich vor Ort aufgeklebt. Hoffentlich hilft es, ihre Muskelverhärtung in der Wade aufzulösen.


Durch ein Hopfen- und Spargelanbaugebiet radelten wir weiter bis Reichertshofen kurz vor Ingolstadt. Im „Posthalter“ fanden wir für die Nacht einen Schlafplatz.
 Nach 62 km und knapp 5 Stunden war das auch wohlverdient.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Zäh wie ein alter Kaugummi

"Gleich bei der IHK links 'rein und dann einen steilen Berg hinauf, dann geht es eben weiter," erklärte uns Ursel bei der Abfahrt. Im Wesentlichen traf es dann auch zu. Wir wollten die Via Julia nach München nehmen. Teilweise folgt sie den Spuren einer alten Römerstraße von Augsburg nach Salzburg. Landschaftlich ein reizvoller Radweg. Er führt durch Wiesen, Wälder und an Kühen vorbei, die uns kauend nachblickten. Nachteilig wirkte sich aus, dass ich die Karte antiquarisch (Auflage 2005) kaufte. 

Der Weg ist inzwischen erneuert, verändert und verlegt worden. Es gab also ein paar Orientierungsschwierig-keiten im Hofoldinger bzw. Deisenhofener Forst.

Wesentlich anstrengender war jedoch die Schotterpiste. Gute 35 km unserer Gesamtstrecke verlief so über "Stock und Stein." Auch die Wegführung, die sich manchmal im Kreis zu drehen schien, war nicht optimal. Wir kurbelten uns um so manche Fichte. An einer Wegkreuzung befragten wir einen Rennradler. Er empfahl uns eine asphaltierte Route, der wir dann bis  München folgten. Welch ein Segen.

In Grünwald bei München speisten wir gut in einem am Waldesrand gelegenen Ausflugslokal. Wir genossen das gute Essen und die Ruhe. Von Grünwald führt entlang der Isar ein Radweg bis in die Innenstadt. Wir kamen am Marienplatz raus und mussten sofort über den Viktualienmarkt schlendern. Gleich neben an im Keller der "auf Schicki-Micki" renovierten Schrannenhalle (früher wohl eine Markthalle) befindet sich die Milkawelt der Firma Kraft. Beeindruckend, welche lila Artikel die Firma für unterschiedliche "Lebenspausen" herstellt. Einige wenige Produkte sind auch dreieckig und goldfarbend mit rotem Aufdruck.

Ein Kaffee im beginnenden Regen genossen, gab uns ein wenig Unterstützung für die Reststrecke nach Dachau. Es war schön spät und so warfen wir nur einen flüchtigen Blick auf die Innenstadt. 
Gegen 18:30 kamen wir im Jugendgästehaus in Dachau an.

Wir fuhren 72 km in 4:44 Stunden und nahmen uns 1:40 Stunde Zeit für Pause. Bei Regen lassen wir uns inzwischen beim Anziehen der Regenkleidung Zeit und so ist er oft zu ende, wenn wir angezogen sind. Mit dieser Technik sind wir bisher recht trocken geblieben.
Vielen Dank an Alle, die uns schreiben und damit Unterstützung geben und unsere Motivation stärken.

Dienstag, 3. Juni 2014

Wieder in Deutschland

Fährt man von Wörgel wieder zum Inn beginnt er schnell seine Gestalt zu verändern. Auf Kufstein zu hat er sich ein kurviges Bett gegraben. Seine jahrhunderte alten Hinterlassenschaften schafften auch hier eine fruchtbare Erde. Von weitem duftende Erdbeerfelder oder großflächiger Gemüseanbau wechselt mit Getreidefeldern ab. Der Fluss selbst aber ist gebremst. Kufstein blieb links liegen. Italienische Kirchen und Gassen waren noch immer so beeindruckend, dass die Aufnahmefähigkeit stark gebremst ist. 

Das Wasser des Inns ist gestaut, eingefangen in dicke Deiche. Seine gebändigte Energie, kann in den Maschinenhäusern ihre Kraft austoben. An vielen Stellen wirkt er, als warte er darauf wieder losgelassen zu werden. Die Bieber freut es. Ihnen hat man kleine Refugien gelassen, in denen sie ihrer liebsten Tätigkeit nachgehen können.

Der Radweg führt teilweise auf der schnurgeraden Deichkrone entlang. Die wassergebundene Decke des Weges drückt die Durchschnittsgeschwindigkeit merklich. Besonders heute, weil immer wieder kleine, teils kräftige Schauer den Belag aufweichen.

Ungewöhnlich war der Demeter-Bauernhof am Wegesrand mit seinem Selbstbedienungs-Hofladen. Man nahm sich die Produkte, schrieb alles in ein Buch, addierte und zahlte die Summe in eine Kasse. Wechselgeld stand hinter Kasse. Unser Picknick war gesichert.

In Rosenheim, wo wir kräftig geduscht wurden, bogen wir auf den Mangfallradweg ab. Ein Einheimischer fuhr uns zum richtigen Einstieg in den Weg. Wir danken ihm.
Am Radweg wird kräftig gebaut. Spundwände und Betonmauern sollen die Häuser der Anwohner vor seinen Fluten schützen. Der Fluss selber darf durch ein von Menschen gestaltetes Bett fließen und springen. Es sieht ganz naturnah aus. Landschaftlich eine schöner Radweg. Die Schotterpiste verließen wir nach einer guten Stunden und fuhren den Rat nach Feldkirchen-Westerham auf einer asphaltierten Nebenstraße. 


Ursel und Bernd, eine alte Urlaubsbekanntschaft, empfingen uns herzlich, gaben uns Kost und Logis mit einem guten Wein. Nach 80,5 km und 4:45 Std. Fahrzeit war das auch gut so. Vielen Dank.

1000 km geknackt und 98 km gefahren

Heute war ein guter Tag!
Wir haben die 1000 km geknackt, sind 98 km gefahren und kaum nass geworden.
Ganz früh, 5 Uhr, nahm Lena von ihrer Freundin Chantal abschied. Chantal musste früh zu ihrer Ausbildungsstelle bei „Spar.“ Ihre Geschwister mussten zur Schule und so waren auch wir früh auf den Beinen. Mit einem guten Frühstück im Bauch verabschiedeten wir uns von der Familie, die uns drei Tage verwöhnt hat. Schnell waren wir auf dem Innradweg Richtung Kufstein. Der Inn fließt hier in einem breiten Tal und ist zu einem kräftig Fluss geworden. Wie viele Flüsse wird er in einem Bett gebändigt. So können Autobahn, Eisenbahn, Radweg und Bundestraßen seinen Lauf bequem begleiten. Die Menschen fühlen sich auf ihren Höfen sicher.
Ich fahre gerne an Flüssen entlang. Das Strömen und Plätschern beruhigt mich und die Vögel zwitschern mir ein Lied. Rechts und links des Tals steigen Berge empor, die fast noch bis zur Baumgrenze Schnee trage. Hin und wieder gibt ein Seitental den Blick auf hohe Berge frei. Heute waren sie südseitig manchmal von der Sonne erleuchtet. Die nördlichen Berge hüllten sich in Wolken. Besonders hinter uns waren sie so schwer, dass sie Regen fallen ließen. Wir hatten bis zum späten Nachmittag Glück, weil wir dem Regen

immer ein Stück voraus waren. Über uns schien häufig die Sonne durch ein großes Wolkenloch.
Bis gut 10:30 Uhr hatten wir kaum Wind und konnten mit gut 20 km/h fahren. Danach frischt der Wind zunehmend auf und blies uns ins Gesicht. Wir fuhren bei gleichem Krafteinsatz 3 km/h weniger. Je mehr uns die Regenwolken zum Nachmittag einholten, je mehr nahm der Wind ab und drehte sich zu unseren Gunsten. Bald schob er uns, was zu einer rasanten Temposteigerung auf fast 22 km/h führte. Lena ist inzwischen so fit, dass wir gelassen 98 km schafften und jetzt in Wörgel im Schatten des Wilden Kaisers übernachten.

Wir wünschen Euch auch einen guten Schlaf.

Sonntag, 1. Juni 2014

Ruhetag auf dem Sportplatz in Pfaffenhofen (Inn)

Lena ist froh, dass sie mit ihrer Schulfreundin Chantal ohne Ende erzählen kann. Ich kann in der Zeit entspannen. Unsere seit drei Wochen nur im Handwaschbecken gereinigte Wäsche wird in der Zeit von Chantals Mutter gewaschen. Angelina die Schwester von Chantal ist Mitglied bei den Cheerleadern der „Telfs Patriots.“ Die „Patriots“ sind Telfs American Football Mannschaft.
Wir saßen in der Sonne und schauten dem Auftritt der Cheerleadern und dem Footballspiel zu. Unser erstes Footballspiel überhaupt. „Angi“ tanzte mit den Anderen die Mannschaft aus Telfs zum Sieg. Der Gegner hatte keine Chance und verlor zu Null.

Abends grillten wir mit der Familie und saßen gemütlich zusammen. Vielen Dank für die liebevolle Unterstützung und Bewirtung.

Samstag, 31. Mai 2014

Über Landeck nach Pfaffenhofen

Nach dem Aufstehen und dem guten Frühstück ging es Richtung Landeck weiter. Auch der Teil des Innradweges folgt leider nicht direkt dem Inn. Wieder ging es bergauf und –ab und unsere Vorstellung, endlich einmal nur bergab zu fahren, erfüllte sich nicht.
Der Inn ist in diesem Teil schon zu einem stattlichen Bergbach angeschwollen. Er rauscht kräftig zu Tal. Landeck war für uns nur eine Stadt zum durch fahren. Ihre schönen Seiten blieben uns verborgen. Landschaftlich beeindruckend hat sich der Inn bei Landeck Richtung Innsbruck durch den Felsen gesägt. Ein schmales Tal mit steilen Wänden fasst ihn ein. An den Talseiten zwängen sich Autobahn, Eisenbahn, kleine Straßen und der Radweg entlang. Steigungen fordern die Oberschenkel immer wieder heraus, wo es doch eigentlich immer nur bergabgehen sollte. So zieht sich der Radweg über viele Steigungen und Abfahrten dahin, bis sich das Tal weitet und der Radweg ebener wird.

So sind wir bis zu Lenas Freundin Chantal und ihrer Familie wieder 56 km unterwegs gewesen. Der freundliche Empfang hat uns für die doch länger als geschätzte Fahrt entschädigt.

Über den Pass ist noch lange nicht über den Pass

Alles klappte wie vorausgesagt. Fahrräder am LKW abgeben, Bahnfahrt in einer „hervorragend“ ausgelasteten Bahn nach Mals, dort alles auf den Bike-Shuttle umladen und an der südlichen Staumauer abladen. Hier pfiff der Wind doch heftig und kühl. Wolken zogen über den Himmel, manche dunkel und bedrohlich manche hell und freundlich: also, so richtig schlecht sah das Wetter nicht aus.

An der östlichen Seeseite führt der Radweg Richtung Norden. Ein schöner Uferweg, der direkten an dem aus dem Wasser ragenden Kirchturm vorbeiführt. In den 30’ger Jahren wurden die Menschen aus den Dörfern um die Kirche vertrieben, ihre Häuser zerstört und der Staudammbau begonnen. Der Staudamm sollte der Energiegewinnung dienen und die Industrialisierung Italiens vorantreiben. Der Kirchturm blieb als Denkmal erhalten. Inzwischen ist die Stelle ein Wallfahrtsort für alle Touristen und die Passstraße ein Eldorado für Motorradfahrer.
Kurz nach Reschen verfehlten wir den Abzweig auf den Radweg und weil wir inzwischen straßenerprobt sind setzten wir die Reise auf der Straße fort. Wie sich bald herausstellte ein nicht gut überlegte Entscheidung. Schneegalerien wechselten sich mit Tunnel ab. Es war auch für mich die erste Fahrt durch Straßentunnel. Nach einem der Tunnel hielten wir an einer Ausweichstelle um zu beratschlagen, wie es weiter gehen sollte. Von dieser Ausweichstelle führte ein Schotterweg steil bergab. Ein Hinweisschild verwies auf den Radweg Richtung Landeck. Gleich daneben wies ein weiteres Schild darauf hin, das die von uns befahrene Stück für Radler gesperrt ist. Wir staunten nicht schlecht, denn weiter oben hatten wir kein entsprechendes Hinweisschild gesehen.
Erleichtert fuhren wir auf dem „rechten Weg“ weiter und erreichten bald den Inn an der Burgruine „Alt Finstermünz.“ Obwohl der Inn neben uns munter talwärts sprang und sprudelte, passte sich der Radweg nicht so recht an. Immer wieder schlängelte sich der Radweg teils heftig bergauf. Eine Berg- und Talfahrt die uns kräftige forderte. Landschaftlich eine schöne Tour. Wälder, Weiden und kleine Ortschaften schmiegen sich an die Hänge und darüber thronen schneebedeckte Gipfel.


Nach 42 km fanden wir auf einem Bauernhof eine Schlafstatt. Eine freundliche Bäuerin richtete das Zimmer und wir fanden schnell in den Schlaf. (leider gab es keine Internetverbindung und so musste der Blog warten…)

Meran

Nach Meran führte uns ein kurzer Weg. Gut acht Kilometer mussten gestrampelt werden,
um die Stadt zu erreichen. Vor der Auffahrt zum Reschen Pass eine vergnügliche Sache. In aller Ruhe konnten wir eine „Radtour“ durch die Innenstadt unternehmen. Wie immer teilen kleine Gassen das „Viertel“ auf. Stellenweise schlendert man unter Arkaden, die dem Vergleich mit Bologna nicht standhalten.
Die Stadt hat sich modernisiert. Ein prächtiger Platz weitet sich vor der Altstadt auf der anderen Flussseite. Er wird von einem schmucken großen Glaskubus, der das neue Thermalbad in sich birgt, fast vollständig eingefasst. Den Abschluss bildet ein „Thermal-Hotel“. Es erinnert ein wenig an Mallorcabauten, jedoch nicht so hoch, etwas holzverkleidet und den Alpen angepasst. Das ganze Ensemble ist eine Kombination von Alt und Neu welches nicht so sehr ins Gewicht fällt.
Am Bahnhof fanden wir die gesuchten Hinweise zur „maschinengestützten“ Passüberquerung. Bahnfahrt bis nach Mals, Fahrradtransport mit dem
Kleinlaster. Von dort fährt ein Bike-Shuttle bis zur südlichen Staumauer. Eine gewisse Erleichterung macht sich bei uns breit. Denn zum Pass geht es sehr lange 1500 Meter hoch. Lange haben wir überlegt, wie wir die Hürde nehmen und uns letztlich für den leichteren Weg entschieden. Wir nehmen nicht jede Qual auf uns.

Mit dieser beruhigenden Entscheidung bezogen wir unser Quartier in der Jugendherberge, schlenderten eine wenig durch die Stadt und ließen uns den Abschluss des Tages mit einem Kaiserschmarrn versüßen.

Mittwoch, 28. Mai 2014

S. Michele – Burgstall/Lana

Das Frühstücksbuffet war jedenfalls gut. Es glich das schlechte Wetter aus. Die Temperatur ließ uns zu wärmeren Sachen greifen und bald musste auch die Regenkleidung aus den Taschen geholt werden. Der Radweg geht über weite Strecken dicht an der Etsch entlang und ist gut ausgeschildert. Es kommen uns viele Radgruppen und Tourenradler entgegen. In ihren Regenkleidungen sehen sie überwiegend etwas gedrückt aus. Das Wetter bleibt getrübt.
Die Unendlichkeit des Südtiroler Obst- und Weinbaus, wird heute besonders deutlich. Erstaunlich finde ich, dass immer wieder heftiges Vogelgezwitscher zu hören ist und hin und wieder etwas im Gras davonhuscht. In Bozen machen wir Pause. Die Stadt will uns aber nicht so richtig ansprechen. Der Dom wirkt eher grau und dunkel. Selbst im Cafe fällt das Aufwärmen nicht leicht. Da ist das Radfahren schöner. Ein wenig dämpft uns auch die Höhe des nahenden Reschenpasses (1600m), der bald nach Meran beginnt. In Meran haben wir jedenfalls schon `mal ein Zimmer in der Jugendherberge gebucht.   

In Burgstall fanden wir bei einem Obstbauern einen Schlafplatz. Eine typische Frühstückspension, fast so, wie ich sie in kindlicher Erinnerung habe.

Nach 68,9 km essen wir gut gelaunt „südtiroler Küche.“ Der rote „Kalterer See“ ist ordentlich und hat nichts mehr mit dem Aldiwein meiner Jugend zu tun. Wir können ruhig zu Bett gehen.




Ala – S. Michele all‘ Adige


Es ist immer wieder schön: Frühmorgens das Gepäck aufladen, munter in den Sattel schwingen und merken, dass etwas nicht stimmt. Die Luft im hinteren Reifen hat sich fast vollständig verflüchtigt. Wie sich bei genauerem Hinsehen herausstellt aus einem kleinen Löchlein. –es dauert ½ Stunde, bis es „aufgeblasen“ weiter geht. Schnell hat uns die SS 12 wieder. Flott geht es dahin. Die Etsch ist unsere ständige Begleiterin ebenso wie der fließende Verkehr. Weinberge lockern die Landschaft auf. Brunello ist z.B. ein Name, der unter Weinkennern –Ehrfurcht auslöst.
Eine dichte Wolkendecke senkt die Temperatur auf ein radelfreundliches Niveau. Schade ist, dass bei dieser Wetterlage oft auch Regen entsteht. So holen wir zum ersten Mal unsere Regenkleidung aus den Packtaschen. Nicht nur der Regen ist störend auch der Gegenwind, der teilweise heftig bläst. Er drückt unseren Fahrtschnitt um gut 3 km/h.


Nach vielen Kilometern ist mir das Fahren auf der Bundesstraße zu nervig. Besonders als die Straße zweispurig wird und das Tempo der Autos zunimmt. An der nächsten Möglichkeit steuere ich den Abzweig zum Etschradweg an.
Das Etschtal ist beeindruckend. Es ist weit, hat viel Wasser und scheint von der Sonne verwöhnt zu sein. Obstplantagen (Birnen, Äpfel) so weit das Auge reicht. Unglaublich, das eine Landschaft eine derartige Monokultur aushalten kann.
Bei der Stadtdurchquerung von Trient sind wir von der Schönheit der alten Bauten beeindruckt.
                                                

Bis zum Quartier in St. Michele wird das Wetter nicht besser. Wir sind nun schon fast drei Wochenunterwegs und fast ausschließlich auf uns angewiesen. So passt sich heute unsere Stimmung etwas dem Wetter an.

Wir haben 64,4 km geschafft. Gute Nacht.

Montag, 26. Mai 2014

Pleiten Pech und Pannen (aber Schöne Landschaft)

Heute nur was kurzes vom Handy aus gepostet.
Also wir sind jetzt in St. Michael an der Etsch. Das ist ein ganz nettes Dörfchen am Radweg. Heute war der Tag leider verregnet. Auch wenn ich mich über diese Abkühlung gefreut habe, da es die letzten tage zu heiß war. Der regen hätte nicht unbedingt sein müssen. 
Dann hätte Rüdi schon wieder einen Platten! Dies mal das Hinterrad. So starteten wir später als geplant.
Zu dem Regen kam noch heftiger Gegenwind dazu und so kamen wir anfangs nur schleppend vorran. Zum Nachmittag hin legte sich der Wind und der Regen zum Glück auch. Dann fanden wir endlich auch mal einen Wegweiser zum Radweg. So mussten wir nicht mehr die SS 12 fahren sonder konnten an der Etsch entlang gemütlich ab hohen Felswänden lang radeln.
Wir sind im erst besten Hotel angekommen, das war leider nicht sehr preiswert aber sonst hätten wir noch ein paar Kilometer fahren müssen.
Gute Nacht und morgen gibt's ausführlicheres. Fals wir in Meran ankommen :-D 


Sonntag, 25. Mai 2014

Verona - Ala



Nach dem schönen Abend in der Arena schliefen wir fast aus. Heute soll es der Etsch entgegen gehen. Die Alpenüberquerung wartet auf uns. Nach einem touristischen Fotoshooting mit Rad usw. vor der Arena fanden wir schnell den Weg aus der Stadt. Am Sonntag wird offensichtlich eine ganze Straße entlang der Etsch für den Autoverkehr gesperrt. Fußgänger, Läuferinnen, Radler, Skater tummeln sich auf ihr. So kamen wir gut voran. Den Radweg „Via Claudia…“ fanden wir erst einmal nicht und so fuhren wir wieder auf der uns vertrauten SS 12 (Alte Brennerstraße). Leni fährt die Straße gerne, ich nicht so, weil mich der laute Verkehr nervt. Wir kamen gut voran. Nach einigen Kilometern fanden wir ein Hinweisschild auf den Radweg. Endlich konnte ich in der Ruhe von Weinbergen dahinradeln. In einiger Entfernung zieht die Brenner-Hochalpenstraße vorbei.
Leider dauerte es nicht all zu lange und wir mussten schieben. In einem kleinen Ort ging es heftig bergauf. Am Scheitelpunkt ging es flach neben einem Kanal weiter. Zwei junge Frauen warnten uns aber vor einem kommenden Anstieg. Er war dann auch heftig. So schoben wir uns voran. Aus meinem Kartenmaterial geht leider nicht hervor, ob und wann Steigungen zu erwarten sind, deshalb bogen wir wieder auf die SS 12 ab.


Im schönsten Sonnenschein schafften wir das letzte Stück bis Ala. Weinberge waren unsere Begleiter und immer wieder schöne Blicke auf Gipfel mit Restschnee.

Verona unsere "Kulturhauptstadt"


Da unser “b & b Erika“ nur ein „b“ ist, frühstückten wir in einer kleinen Bar mit Einheimischen Zusammen. So ein Frühstück bietet ein wenig Gelegenheit Leute zu beobachten. Wie sie in das Lokal kommen, man begrüßt sich, weil man sich jeden Morgen sieht, trinkt seinen Kaffee, wechselt ein paar Worte über die Sportereignisse, legt das Geld auf den Tresen und geht zu seinem Tagesgeschäft.
Wir hatten gut ausgeschlafen und unser Tagesgeschäft bestand im Besichtigen der Arena von Verona, dem drittgrößten noch erhaltenen Amphitheater (22.000 Menschen passen immer noch hinein obwohl viele Steine abgebrochen sind) und natürlich im Shoppen. In der Via Mazzini konnte Lena endlich ihr Geld in ein paar schicke Sachen anlegen.
Verona gefällt uns sehr gut. Der mediterane Charme ist hier bereits mit etwas Alpenländischem verbunden. Bestimmt macht das auch die Etsch aus, die sich zu dieser Jahreszeit bemüht schnell durch die Stadt zu fließen. Ihre Schmelzwasser wollen kein Unheil anrichten. Veronas kleine Gassen und die alten Gemäuer laden zum Schlendern ein. Die Natursteinmauern und überwiegend gelb-, ocker- oder erdorangenen Anstriche, werden hübsch durch Balkone verziert. Prächtige Blumenkästen laden den Blick zum Verweilen ein. Zu Recht ist die Altstadt Weltkulturerbe.

Bei der Besichtigung des Amphitheaters kamen wir am Ticketschalter für das Musical „Romeo und Julia“ vorbei. Es gab tatsächlich noch Karten. Wir griffen zu. Abends saßen wir eine Stunde vor Beginn ganz oben auf den Steinstufen und erwarteten das Festspiel. Wir hatten uns kleine Snacks, Cola und Wein mitgenommen. So wurde die Zeit bis zum Start um 21:30 nicht so lang. Unterm Sternenzelt, in einer fast 2000 Jahre alten Arena zu sitzen und einem modernen Musical zu lauschen bleibt bestimmt in guter Erinnerung. Lena hatte das Stück schon einmal gelesen und so konnte sie mir lebhaft erzählen worum es ging. Das Bühnenbild, die Kostüme und einige Stimmen waren gut. Manchmal verdarb die elektronische Verstärkung nach unserem Geschmack den schönen Gesang. Die Kombination von „auf alt getrimmten Kostümen“ und flotter, moderner Musik gefiel uns nicht immer. Es war ein schönes Erlebnis.

Freitag, 23. Mai 2014

Ebene Straßen und drückende Hitze

Durch die Verzögerung waren wir erst gegen 11:00 Uhr auf der Straße. Der Verkehr ließ vermuten, dass alle schnell zum Mittagessen wollten. Die gut befahrene Nebenstraße führte am Reno entlang. Neben uns ragte ein ca. 8 m hoher Deich auf, der den Fluss zu seinen reißenden Zeiten in seinem Bett halten soll (da können die sich von der Elbe oder Mulde 'mal 'ne Scheibe von abschneiden...). Oft bildeten die Platanen der Alleen ein schattenspendendes Dach. Die endlosen Felder hingegen flimmerten in der Hitze. Gefühlte 35°C und stehende Luft ohne ein kleines Lüftchen; wie soll man da gemütlich Fahrrad fahren. Hin und wieder unterbrechen ein Kanal oder ein Gehöft die Eintönigkeit der Landschaft. Größere Städte wie Cento oder Finale Emilia sind von mittelständischen Unternehmen eingefasst. Was dort produziert wird war für uns nur selten erkennbar.
Nach 67 km, die wir in 3 1/2 Stunden Fahrzeit und bei drückender Hitze , abstrampelten, erreichten wir Mirandola. Von hier geht es morgen weiter nach Verona

Der richtige Riecher

 Von Mirandola nach Verona sind es auf der Landstraße 72 km. Mirandola, ein verschlafenes Städtchen in der Poebene schien vor sich hin zu träumen. Der Schlaf im Hotel war entsprechend. Um 8:30 waren wir die letzten im Frühstücksraum. Alle „Fernfahrer,“ mit denen wir noch beim Abendessen zusammen saßen, waren schon auf Achse. Wir schafften den Start gegen 9:30 Uhr. Es war bedeckt und nicht mehr so drückend heiß wie gestern.

Auf der „Bundesstraße S 12“ ging es weiter in Richtung Ostiglia. Von dort wollten wir den Radweg „Via Claudia Augusta“ folgen, den wir bis Landeck nutzen möchten. Bei leichtem Seitenwind kamen wir gut voran. Die Straße ließ sich  gut befahren, weil sie über weite Strecken einen ca. 1 m breiten Randstreifen hat. Die meisten Kraftfahren machen um Radler einen leichten Bogen. Manche Lastwagenfahren hupen ein wenig, wenn sie von hinten angebraust kommen. Ich bin begeistert, wie meisterlich Lena auf dieser Straße fährt. Im Gegensatz zu mir findet sie die kürzere Verbindung zwischen zwei Städten besser als eine einsame Landstraße durch eine schöne Gegend. Sie stören nur die vielen Verkehrsopfer am Straßenrand: Bisamratten, Igel, Vögel, Katzen, Marder, deren Profil von Rädern in den Asphalt gedrückt wurde.
Auf dieser Strecke fuhren wir an Reisfeldern vorbei und ich dachte mir ein paar schöne Risottorezepte aus. Den Po überfuhren wir auf einer stählernen Brücke. Sie war so schmal, dass kaum zwei Laster nebeneinander vorbeikommen. Warten war angesagt. So gelangen mir ein paar Fotos vom Po.
Ostiglia ist eine römische Gründung und wie gesagt beginnt hier der Radweg. Leni konnte ich überzeugen, jetzt dorthin abzubiegen. Vorher sollte ein Halt an einer Kaffeebar für Entspannung sorgen. Wegen meines Banners „Rom-Berlin“ wurden wir von einer Dame angesprochen. Das Ehepaar kam aus Schleswig und war den ganzen Radweg gefahren. Wir bekamen wertvolle Tipps. Der wichtigste war jedoch, dass die Strecke ab Ostiglia erst einmal mehre km über eine tiefgefurchte Ackerpiste führt und sehr schlecht zu fahren ist. Wir beschlossen weiter die Bundesstraße zu fahren. Ade schönes „Riservato NaturalePalude di Ostiglia.“

Weiter ging es auf der S 12. 1916 hätte man bestimmt geschrieben „Im Stahlgewitter vorbeifahrender Autos wurde der Radler gehärtet.“ Durch eine schöne Mittagspause im Schatten eines Baumes und einer kalten Cola gestärkt erreichten wir nach knapp 4 Std. Verona. Hier begann wieder das Durchfragen zum Quartier. Wir fanden schließlich „Erika b & b,“ wo wir von zwei 11-jährigen Mädchen empfangen wurden. Sie gaben sich viel Mühe, uns auf Englisch zu erklären, dass wir willkommen sind und wo die Zimmer sind. Ein schöner Tag.